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Versorgungssicherheit – Prävention beginnt in der Lieferkette
Christoph Atzmüller
Die unterschätzte Basis der Gesundheitsversorgung
Die Revolution der Gesundheit wird oft mit medizinischen Durchbrüchen oder digitalen Innovationen verbunden. Doch eine der zentralen Voraussetzungen für eine funktionierende Gesundheitsversorgung bleibt häufig unbeachtet: die stabile und verlässliche Arzneimittelversorgung. Sie beginnt lange vor dem Arztbesuch – in der Lieferkette, die Medikamente sicher und rechtzeitig zu den Patient:innen bringt.
Nationale Stärke als strategischer Vorteil für Geschwindigkeit
In Österreich erfolgt ein Großteil der Arzneimittelversorgung durch Unternehmen mit nationaler Verankerung. Diese Struktur hat sich besonders in Krisenzeiten als stabilisierend erwiesen. Die Nähe zum Markt, das Verständnis regionaler Bedürfnisse und die enge Abstimmung mit Apotheken und Gesundheitseinrichtungen ermöglichen eine bedarfsgerechte Versorgung – auch unter schwierigen Bedingungen. An 23 Lagerstandorten zwischen Vorarlberg und Wien lagern mehr als 40.000 verschiedene Gesundheitsartikel, darunter rund 12.000 unterschiedliche Arzneimittel. Binnen zwei Stunden kann jede öffentliche Apotheke beliefert werden. Jährlich werden über 220 Millionen Packungen ausgeliefert – eine logistische Leistung, die die Versorgung in allen Regionen sicherstellt.
Industrie und Handel: Ein starkes Zusammenspiel
Die Versorgungssicherheit ist nur möglich durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen pharmazeutischer Industrie und Arzneimittelhandel. Während die Industrie für Forschung, Entwicklung und Produktion verantwortlich ist, sorgt der Handel für die flächendeckende Verfügbarkeit. Dieses Zusammenspiel ist ein Paradebeispiel für funktionierende Arbeitsteilung im Dienste der öffentlichen Gesundheit. Gerade bei der Bewältigung von Lieferengpässen zeigt sich, wie wichtig abgestimmte Prozesse und gemeinsame Verantwortung sind.
Pufferfunktion und Mangelmanagement
Mit einem Vorrat von über 10 Millionen Arzneimittelpackungen können kurzfristige Engpässe der Hersteller abgefedert werden. Apotheken können dadurch bis zu drei Wochen weiter beliefert werden, selbst wenn die Produktion stockt. In versorgungskritischen Situationen werden zusätzlich Produkte aus ganz Europa beschafft. Bei Knappheit erfolgt ein gerechtes Mangelmanagement: Vorräte werden aliquot auf alle Apotheken verteilt, basierend auf bisherigen Bestellmengen. So bleibt die Versorgung in allen Regionen gewährleistet.
Wirkstofflager und Notfallpläne
Neben Fertigarzneimitteln werden auch Wirkstoffe für Fiebersenker, Antibiotika, Entzündungshemmer und Schmerzmittel gelagert. Damit können Apotheken im Notfall selbst Arzneimittel herstellen, wenn bestimmte Spezialitäten nicht verfügbar sind. Ergänzt wird dies durch umfassende Notfallpläne – bis hin zur Absicherung für Blackout-Szenarien –, um die Versorgung auch unter extremen Bedingungen sicherzustellen.
Nachhaltigkeit und Effizienz
Die Bündelung von Lieferungen – oft über 100 Packungen verschiedener Hersteller pro Zustellung – spart Transportkilometer und reduziert den ökologischen Fußabdruck. Ressourcenschonende Logistik und regionale Lagerhaltung verbinden Versorgungssicherheit mit Nachhaltigkeit.
Herausforderungen und notwendige Maßnahmen
Die Versorgung mit Arzneimitteln muss jederzeit gewährleistet sein. Dafür sind faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen unerlässlich. Seit 2004 unveränderte Vergütungsmodelle stehen im Widerspruch zu steigenden Kosten. Um die Infrastruktur zu sichern, braucht es eine Anpassung der regulatorischen Vorgaben und eine klare Definition der kritischen Infrastruktur. Nur so können die Leistungen der Arzneimittelbranche langfristig erhalten bleiben und ihren Weg zu den Patient:innen finden.
Die Lieferkette als Lebensader der Gesundheitsrevolution
Die Revolution der Gesundheit beginnt nicht erst im Behandlungszimmer, sondern dort, wo Verfügbarkeit gesichert wird. Die Arzneimittelversorgung ist ein zentraler Bestandteil der Gesundheitsvorsorge – ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich. Ihre Stabilität entscheidet über die Wirksamkeit von Prävention und Therapie. Die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel, ergänzt durch Pufferfunktionen, Wirkstofflager und den richtigen Rahmenbedingungen, zeigt, wie Versorgungssicherheit durch gemeinsame Verantwortung und Innovation gelingen kann.
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