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Digitalisierung und KI bringen Chancen für Unternehmen und Gesundheitssystem

Jochen Danninger

Mag. Jochen Danninger; Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich
Mag. Jochen Danninger; Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich

Die Konjunktur zeigt erste Anzeichen nachhaltiger Belebung, und der Bedarf an qualifizierten Fachkräften bleibt hoch – ein deutliches Signal für die anhaltende Dynamik in vielen Branchen. In diesem Umfeld gewinnt die Gesundheit der Beschäftigten zunehmend an Bedeutung: Laut Fehlzeitenreport waren Arbeitnehmer:innen im Jahr 2023 durchschnittlich 15,4 Kalendertage und im Jahr 2024, 15,1 Kalendertage im Krankenstand.* Im Jahr 2023 Daraus ergaben sich durch die Fehlzeiten direkte Kosten in Höhe von 5,8 Milliarden Euro, die indirekten Kosten durch entgangene Wertschöpfung beliefen sich auf bis zu 8,5 Milliarden Euro.*

Diese Zahlen zeigen: Krankheiten sind nicht nur für die Betroffenen sehr belastend, sondern haben auch negative Auswirkungen auf die Unternehmen und auf unser Gesundheitssystem. Es ist daher ein wichtiges gesamtgesellschaftliches Anliegen, Krankenstände zu reduzieren und die Gesundheit der Menschen zu fördern.

Hoffnung gibt dabei der technologische Fortschritt. Denn getrieben von künstlicher Intelligenz (KI), digitalen Innovationen und einem neuen Verständnis von Prävention entstehen Chancen, die weit über den medizinischen Bereich hinausreichen. Sie können helfen, Menschen gesünder, Unternehmen produktiver und das Gesundheitssystem effizienter zu machen.
 

Enormes Potenzial in der Prävention

Vor allem in der Prävention eröffnet KI neue Chancen. Sie ermöglicht die frühzeitige Erkennung gesundheitlicher Risiken, unterstützt individuelle Empfehlungen zur Gesundheitsförderung und verbessert die Effizienz durch automatisierte Datenanalysen.  Beispielsweise können KI-gestützte Systeme anhand von Vitaldaten aus Wearables frühzeitig Risikofaktoren wie Stress oder Bewegungsmangel erkennen. Auf diese Weise kann gezielt mit präventiven Maßnahmen gegengesteuert werden.

Dies beinhaltet auch enormes Potenzial für Unternehmen: Gesundheitsdaten können – selbstverständlich anonymisiert und DSGVO-konform – genutzt werden, um freiwillig umgesetzte betriebliche Gesundheitsstrategien datenbasiert zu steuern. KI kann außerdem helfen, Prozesse im Gesundheitsmanagement zu automatisieren. Das hilft etwa bei der Planung gesundheitsfördernder Maßnahmen, der Erfolgskontrolle betrieblicher Gesundheitsprogramme oder der Bereitstellung personalisierter Empfehlungen für Mitarbeitende. Unserer Betriebe handeln dabei freiwillig, sie können daher jede Unterstützung - wie z.B. finanzielle Anreize - brauchen. Und wer den Mitarbeitenden hilft, gesund zu bleiben, investiert letztlich in Motivation, in Produktivität sowie in die Bindung ans Unternehmen.

Zusätzlich sind digitale Innovationen und KI für viele Unternehmen ein erfolgversprechendes Geschäftsfeld: Der Markt für digitale Prävention und betriebliche Gesundheitslösungen wächst in Österreich seit Jahren dynamisch. Start-ups, aber auch etablierte Unternehmen investieren in digitale Lösungen im Gesundheitsbereich. Aufgrund seiner Innovationskraft hat der österreichische Life-Science-Bereich sogar beste Voraussetzungen, eine führende Rolle in Europa einzunehmen.
 

Investition in Effizienz und damit Wohlstand des Landes

Neben den Unternehmen sollte auch das Gesundheitssystem selbst verstärkt auf Prävention und Früherkennung setzen und dabei ebenso Instrumente wie Telemedizin, KI-gestützte Diagnostik bis hin zu personalisierten Präventionsprogrammen einsetzen. Denn Investitionen in die Gesundheit der Menschen steigern die Effizienz des Systems, die Produktivität und sind letztlich Investitionen in den Wohlstand des Landes.
 

Eigenverantwortung muss gestärkt werden

Aber auch die Bürgerinnen und Bürger sind in die Pflicht zu nehmen, denn trotz aller technologischen Fortschritte bleibt ein zentraler Punkt unverändert: Gesundheit beginnt bei jedem bzw. jeder Einzelnen. Rund die Hälfte aller Erkrankungen ist auf Lebensstilfaktoren wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung oder Dauerstress zurückzuführen. Es gilt daher, die Eigenverantwortung zu stärken. Nicht zuletzt durch mehr Wissen über gesunde Lebensführung, das bereits im Kindergarten zu vermitteln ist, muss die Eigenverantwortung gestärkt werden.

Um unser Sozial- und Gesundheitssystem zukunftsfähig aufzustellen und Fehlzeiten in den Unternehmen so gering wie möglich zu halten, muss also an vielen Schrauben gedreht werden: Das Gesundheitswesen muss effizienter gestaltet werden, Unternehmen sollen Prävention als leistbare Zukunftsinvestition ansehen können, aber vor allem die Menschen selbst durch einen gesunden Lebensstil ihren Beitrag leisten. Digitale Lösungen, die dabei unterstützen, gibt es bereits. Denn die Revolution im Gesundheitsbereich ist kein Zukunftsszenario, sondern sie findet bereits statt. Entscheidend ist es, dass wir die Chancen erkennen und entsprechend nutzen.

* Satz nachträglich korrigiert am 04.12.2025 per E-Mail Edda Reitter an GK.

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