- Blogbeitrag
- Sanopolis
Warum Impfungen heute wichtiger sind denn je – und wie wir das Bewusstsein dafür neu stärken müssen
Renée Gallo-Daniel
Impfungen zählen bekannterweise und oftmals belegt zu den wirksamten und kosteneffizientesten Maßnahmen der modernen Medizin um vor Krankheiten zu schützen. Dennoch erleben wir paradoxerweise gerade in Ländern mit hochentwickelten Gesundheitssystemen eine wachsende Impfmüdigkeit – insbesondere bei Erwachsenen. Diese Entwicklung kann nicht nur medizinisch problematisch sein, sondern stellt auch eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar.
Herausforderung Nr.1: Neue Risiken in einer vernetzten Welt
Globale Mobilität, Klimaveränderungen und demografischer Wandel führen dazu, dass Infektionskrankheiten schneller verbreitet werden können (Beispiel: globale Ausbreitung von FSME) oder aber wieder an Bedeutung gewinnen (Beispiel: Ansteigen von Keuchhustenfälle in Europa). Krankheiten, die lange als „unter Kontrolle“ galten, treten erneut auf – teils mit schweren Verläufen (Beispiel: Diphterie, Masern). Selbst die COVID-19-Pandemie hat eindrücklich gezeigt, wie verletzlich selbst leistungsfähige Gesundheitssysteme sind und welchen enormen Stellenwert präventive Maßnahmen haben.
Herausforderung Nr.2: Erwachsenenimpfungen - die unterschätzte Lücke
Ein zentrales Problem liegt hier vorallem in der Wahrnehmung: Impfen wird häufig mit Kindheit assoziiert. Tatsächlich sind jedoch viele Impfungen im Erwachsenenalter essenziell – Auffrischungsimpfungen ebenso wie indikations- oder altersabhängige Impfungen (z. B. gegen Influenza, Pneumokokken, FSME oder Gürtelrose). Gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen, ältere Menschen und beruflich exponierte Gruppen können vermehrt „at Risk“ sein. Fehlende Impfungen und / oder kein aufrechter Impfschutz können zu vermehrten Krankheitsfällen führen. Hier steht allerdings nicht nur das persönliche Leid des Einzelnen im Vordergrund, sondern auch die Belastungen des Gesundheitssystems.
Herausforderung Nr. 3: Kostenübernahme als gesellschaftliches Signal notwendig
Um hohe Durchimpfungsraten zu erreichen, ist der entscheidende Hebel oftmals die Frage „Wer die Kosten für Impfunten trägt“. Wo Impfungen privat zu finanzieren sind, sehen wir in vielen Impfindikationen sehr geringe Durchimpfungsraten. Eine umfassende Kostenübernahme durch die öffentliche Hand – insbesondere bei empfohlenen Erwachsenenimpfungen – macht Sinn! Es ist nicht nur sozial gerecht, sondern volkswirtschaftlich sinnvoll. Jeder in Prävention investierte Euro spart ein Vielfaches an Behandlungskosten, Arbeitsausfällen und Folgeschäden. Gleichzeitig sendet eine öffentliche Finanzierung ein klares Signal: Impfen ist keine individuelle Gefälligkeit, sondern ein gemeinschaftlich getragenes Schutzinstrument.
Herausforderung Nr. 4: Aufklärung statt Belehrung
Wesentlich für eine nachhaltige Veränderung des Impf-Bewusstseins ist Teil der Impfaufklärung. Erfolgreiche Impfaufklärung muss transparent, faktenbasiert und zielgruppen-spezifisch sein. Menschen wollen verstehen, warum Impfungen wichtig sind. Eine wichtige Schlüsselrollen in der Impfkommunikation spielen dabei Ärztinnen und Ärzte, Apotheker, Betriebe, aber auch Versicherungen und öffentliche Institutionen. Niederschwellige Informationsangebote, klare Nutzen-Risiko-Darstellungen und lebensnahe Beispiele können die Akzeptanz hier erhöhen.
Außerdem ist Impfaufklärung als langfristige Aufgabe und darf kein kurzfristiges Projekt sein. Sie muss kontinuierlich, zielgruppenspezifisch und medienübergreifend erfolgen – vom Schulunterricht über betriebliche Gesundheitsförderung bis hin zur jährlichen Gesundenuntersuchung und / oder dem regelmäßigen Impfpasscheck beim Hausarzt oder der Hausärztin. Entscheidend ist, Impfen als selbstverständlichen Teil der Gesundheitsvorsorge im gesamten Lebensverlauf zu verankern. Quasi – „Lebenslanges Impfen oder Impfen ein Leben lang“
Impfungen sind heute wichtiger denn je – nicht trotz, sondern wegen unserer modernen Lebensweise. Um ihr volles Potenzial auszuschöpfen, braucht es ein neues gesellschaftliches Verständnis: Erwachsenenimpfungen als Standard, öffentliche Kostenübernahme als klares Bekenntnis zur Prävention und eine zeitgemäße, respektvolle Aufklärung. Nur so kann Vertrauen wachsen – und Prävention wirksam werden.
Impfen heißt – Verantwortung tragen! Für den Einzelnen und die Gesellschaft
Weitere Blogbeiträge